Jeder Fan erwartet zur Weltmeisterschaft in Brasilien tollen Fußball und eine aufgeheizte Stimmung. Doch ohne die modernen Stadien in den zwölf Spielorten, wäre das nicht möglich. Hohe Sicherheitsstandards, die neueste Technik und jede Menge Platz garantieren, dass während der WM jeder Zuschauer die Spiele sicher und entspannt genießt. Unter den zwölf Stadien der Weltmeisterschaft in Brasilien befinden sich sieben Neubauten und fünf bestehende Arenen, die an die heutigen Standards angepasst wurden.

Allerdings ist das Kapitel „Stadionbau“ keine reine Erfolgsgeschichte. Die Bauarbeiten wurden von Verzögerungen und Todesfällen auf den Baustellen überschattet. In der Arena Sao Paulo stürzte ein Kran in die neugebaute Tribüne und begrub einen Arbeiter unter sich. Die Bauherren der Arena Pantanal kämpfte monatelang vor Gericht über die überteuerten Preise für die Bestuhlung und in der Arena da Baixada in Curitiba verlangte die FIFA, dass der Bau des Stadiondachs abgebrochen wird, um die Deadline für die Abnahme zu erreichen.

Stadion Rio de Janeiro

Im traditionsreichen Maracaná findet das Finale der WM 2014 statt. (Bild: Erica Ramalho/Portal da Copa/Março de 2013/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Rehabilitation im Maracaná

Doch spätestens am 12. Juni 2014 sollen alle Probleme der Vergangenheit angehören und Lebensfreude in den Stadien Einzug erhalten. Die Augen der Teams richten sich dabei primär auf das Maracaná in Rio de Janeiro. Die größte Arena der WM 2014 in Brasilien ist gleichzeitig ein Ort sportlicher Mythen und des größten Sportdramas in der Geschichte des Gastgebers. Die favorisierten Brasilianer verloren das WM-Finale 1950 völlig überraschend gegen Uruguay. Der damalige Siegtorschütze Alcides Ghiggia sagte später in einem Interview, dass „Frank Sinatra, Papst Johannes Paul II.“ und er die einzigen Menschen sein, die das Maracaná je zum Schweigen gebracht hätten.

Brasilien hofft nun auf die Rehabilitation ihres Stadions. Das vormals größte Stadion der Welt wurde an die modernen Gegebenheiten angepasst. Von 200.000 Plätzen blieben noch 78.000 übrig – damit bleibt das Maracaná das größte Stadion der WM 2014 und darf sich über das Endspiel freuen. Zusätzlich werden weitere fünf Spiele während der Weltmeisterschaft stattfinden – mehr als in jedem anderen Stadion. 64 Jahre nach dem Debakel gegen Uruguay hoffen die Fans, dass Brasilien und das sportliche Zuhause endlich zueinanderfinden. Das Stadion ist bereit; fehlt nur noch die Mannschaft im Endspiel.

Ebenfalls einem Umbau unterzogen, wurde das Estadio Nacional de Brasilia, das in der brasilianischen Hauptstadt steht. Ursprünglich zu Ehren des sportlichen Volkshelden Garrincha errichtet, der zwei WM-Titel sammelte und 232 Tore für Botafogo schoss, wurde das Stadion für die WM 2014 modernisiert. Von dem altehrwürdigen Stadion blieb nach der Renovierung nur ein Teilstück der Tribüne übrig. Da vor allem Platz für weitere Sitzplätze geschaffen werden musste, vergrößerte sich das Estadio Nacional komplett. Die 45.000 Sitze hätten für eine WM-Nominierung nicht gereicht. Heute bietet die Arena platz für 68.000 Zuschauer und gehört zu den ökologischsten Stadien der WM 2014. Während des Konföderationenpokals, der Generalprobe für WM-Gastgeber, schoss Brasilien die Japaner mit 3:0 aus dem Stadion. Gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft des Gastgebers.

Nachhaltigkeit wird groß geschrieben

Westlich des Estadio Nacional befindet sich die Arena Pantanal, das wohl interessanteste Stadion der WM 2014. Mitten im Regenwald gelegen, fasziniert das die Arena besonders aufgrund ihrer Architektur. Penibel genau wurde auf die Nachhaltigkeit geachtet, keine Hölzer aus bedrohten Gebieten wurden verwendet. Eine eigens installierte Messstation überprüft während der gesamten Weltmeisterschaft, dass sich die Boden- und Luftwerte immer im normalen Bereich bewegen. Nach der WM wird die Arena Pantanal mit wenigen Arbeitsschritten wieder verkleinert, um die Umwelt mit der eigenen Größe nicht unnötig zu belasten. Knapp 43.000 Zuschauern bietet das Fußballstadion während der WM platz.

Stadion Pantanal

Knapp 43.000 Zuschauer finden in der Arena Pantanal platz. (Bild: Brazilian Government/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Das südlichste Stadion steht in Porto Alegre. Das Estadio Beira-Rio zeichnet sich besonders durch die Finanzierung aus. Während die anderen Arenen auf eine Finanzierung durch den Staat zurückgreifen, stemmte der Heimatverein „SC International“ die kompletten Baukosten allein. Mit Hilfe der eigenen Fans und durch Eigenmittel finanziert, gehört das Stadion auch nach der WM 2014 komplett dem Verein. Damit der Spielbetrieb in den letzten Jahren nicht litt, setzten die Bauherren auf ein Kastensystem. Nach und nach wurde das Estadio Beira-Rio überdacht und auf über 50.000 Sitzplätze ausgebaut. Die Fans in der fußballbegeisterten Stadt dürfen sich auf fünf Spiele freuen, wobei ein Achtelfinale das Highlight darstellen wird.

Kleines Stadion, große Tradition

Im kleinsten Stadion der WM 2014, der Arena da Baixada, spielten bereits zahlreiche Größen der Fußballgeschichte oder standen als Trainer am Seitenrand. Kleberson, Fernandinho oder Paulo Rink machten in dem Stadion ihre ersten Schritte im Profifußball und selbst Lothar Matthäus durfte sich als Übungsleiter von Atletico Paranaense probieren. Während der Weltmeisterschaft in Brasilien freuen sich die nationalen und internationalen Fans auf vier Gruppenspiele in der kleinen Arena. Dass es nicht zu mehr Spielen reichte, liegt vor allem an der geografischen Lage. In direkter Nähe zu Sao Paulo und Rio de Janeiro fielen nicht viele Spiel für die kleine Arena da Baixada ab.

Wesentlich opulenter geht es in Sao Paulo zu. In der Arena Sao Paulo finden sich Rekorde, die weltweit ihresgleichen suchen. Das liegt in besonderem Maße an der Fassade des Fußballbaus. Die Firma Osram bestückte eine komplette Wand mit 34.000 LEDs, die auf 3.400 Quadratmetern den größten Bildschirm der Welt entstehen lassen. Während der WM 2014 werden aktuelle News, Aufstellungen und Paarungen auf der XXL-Leinwand dargestellt. Die alte Rekordmarke aus dem Stadion der Dallas Cowboys wurde um das dreifache überboten. Zusätzlich zu dem überdimensionalen Bildschirm finden 65.807 Zuschauer in der Arena Sao Paulo platz und dürfen sich neben drei Gruppenspielen auch auf ein Achtelfinale, ein Halbfinale und das Eröffnungsspiel freuen.

Ronaldo

Die Tradition großer Generationen spüren die Zuschauer auch im Estadio Mineirao. Auf dem heiligen Rasen in Belo Horizonte spielten mit Ronaldo, Rivaldo, Fred oder Gilberto Silva ehemalige Weltmeister, die mit ihrem Fußballspiel eine ganze Generation prägten. Dazu kommen drei Titel der Copa Libartadores, die sich die Heimatvereine Cruzeiro und Atletico Mineiro untereinander aufteilten. Im Estadio Mineirao wird Fußballtradition gelebt. Dank der Renovierung des Stadions kommt für die WM 2014 auch eine moderne Komponente hinzu. Die maximal 62.547 Zuschauer dürfen sich während des Fußballturniers über ein ausgeklügeltes Anreisesystem und ein sicheres Überwachungssystem freuen. Die Zeiten, in denen sich Menschenmassen durch Eingänge drängten und es zu Verletzungen kam, gehören auch im traditionellen Estadio Mineirao der Vergangenheit an.

Neustart nach der Tragödie in Salvador de Bahia

Die WM 2014 sorgte für Aufbruchsstimmung in der Arena Fonte Nova, die nach einer Tragödie stillgelgt wurde. Als der FC Bahia den Aufstieg in die zweite Liga perfekt machte, jubelten die Fans auf den Tribünen und sprangen sich in die Arme. Die Erschütterung bedingte, dass die Tribüne in sich zusammenbrach. Sieben Menschen starben, 85 wurden verletzt. Erst die WM-Vergabe an Brasilien küsste die Stadt Salvador de Bahia wieder wach. Die neue Arena Fonte Nova glänzt mit 52.000 Sitzplätzen, die während der sechs Spiele der WM prall gefüllt sein werden. Besucher können abseits der Spiele im riesigen Panorama-Restaurant speisen, das über der südlichen Stadionseite schwebt. Die Dachkonstruktion wurde von den Architekten mit modernsten Materialien und nach dem Speichenradkonzept konzipiert. Jeder Quadratmeter des scheinbar schwebenden Dachs wiegt gerade einmal 45 Kilogrammm.

Die Stadien der WM 2014 in Brasilien sind jedoch nicht nur architektonische Wunderwerke. In der wirtschaftlich schwachen Region Recife soll die Arena Pernambuco für neuen Schwung sorgen. Bereits während der Bauphase sorgte das knapp 43.000 Zuschauer fassende Stadion für viele Arbeitsplätze. Nach dem Fußballturnier sollen rund um das Stadion tausende Haushalte entstehen, neue Einkaufszentren aus dem Boden gestampft und jede Menge neuer Arbeitsplätze geschaffen werden. Für die Fans wird die Arena Pernambuco dennoch zur Geduldsprobe. Die Anreise wird durch den weit entfernten Flughafen und den rudimentären Nahverkehr erschwert. Es wird interessant zu sehen, ob die Versprechungen der Regierung eingehalten werden. Sonst rechnet sich der knapp 160 Millionen Euro teure Stadionbau nicht.

Estadio das Dunas: Natur als Vorbild

In Natal entsteht das Estadio das Dunas, das mit seiner Form an eine Sanddüne erinnert. Betrachtet man die Form der Fußballarena, fällt auf, dass die Tribünen den höchsten Punkt markieren. Hinter den Toren flacht die oberste Linie ab – es entsteht der Eindruck einer Sanddüne. Dennoch braucht sich kein Zuschauer über die Sicht Gedanken machen. Von jedem Sitzplatz sieht man das Spielfeld gut ein. Das Estadio das Dunas kämpfte wie auch andere Arenen mit Zeitproblemen. Lange Zeit stand nicht fest, ob das Stadion rechtzeitig zum ersten Anpfiff der WM fertig sein würde. Erst durch die Verpflichtung weiterer Arbeiter und der Einführung einer längeren Arbeitszeit konnte das Projekt in Natal vollendet werden.

Stadion Natal

Eine Sanddüne als Vorbild bietet die Arena das Dunas. (Bild: Portal da Copa/ME/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Den Besucherrekord im Estadio Castelao hält bis heute kein Fußballspiel. Als der Papst 1980 das Stadion besuchte, strömten unglaubliche 120.000 Menschen in die Arena. Während der WM 2014 in Brasilien werden immerhin noch 64.846 Fans auf den Rängen des modernen Estadio Castelao platz finden. Neben den vier Gruppenspielen dürfen sie sich auch über je ein Achtel- und Viertelfinale freuen. Das Alleinstellungsmerkmal der Arena in Fortaleza ist jedoch der Parkbereich. Direkt unter dem Stadion befinden sich 1.900 Parkplätze, die sich in das moderne Gesamtbild des Stadions eingliedern. Auch die Anschlussstellen für Bus und Bahn wurden erneuert und ausgebaut. Und dank des neuen Dachs werden selbst die Plätze direkt am Spielfeldrand vor Regen geschützt.

Das eigentliche Schmuckstück der WM 2014 findet sich jedoch nicht in Rio de Janeiro, Sao Paulo oder Belo Horizonte. Im Herzen des Regenwaldes liegt die Arena de Amazonia, die entfernt an das Olympiastadion Pekings erinnert. Die Fassade wirkt wie die Struktur des Vogelnests, das während der Olympischen Spiele bekannt wurde. Doch es sind die inneren Werte, die die Arena de Amazonia besonders machen. An die regionalen Gegebenheiten angepasst, entwickelten die Bauherren ein ausgeklügeltes System, das mit einer Solaranlage und einem Auffangssystem für Regenfälle aufwartet. Das Stadion funktioniert dadurch zu großen Teilen autark und schont die Umwelt so gut es geht. 42.374 Sitzplätze warten auf die Zuschauer, die sich auf insgesamt vier Gruppenspiele freuen dürfen.

Die größten Stadien der WM 2014 in Brasilien

  1. Maracaná – 78.000 Plätze
  2. Estadio Nacional de Brasilia – 68.000 Plätze
  3. Arena de Sao Paulo – 65.807 Plätze
  4. Castelao – 64.846 Plätze
  5. Mineirao – 62.547 Plätze
  6. Estadio Beira-Rio – 48.849 Plätze
  7. Arena Fonte Nova – 48.747 Plätze
  8. Arena Pantanal – 42.968 Plätze
  9. Arena Pernambuco – 42.849 Plätze
  10. Arena da Amazonia – 42.374 Plätze
  11. Estadio das Dunas – 42.086 Plätze
  12. Arena da Baixada – 41.456 Plätze