Thomas Müller erhielt den Preis im Jahr 2010, vier Jahre zuvor sicherte sich Lukas Podolski die Auszeichnung: Den Titel für den besten jungen Spieler einer Weltmeisterschaft. Während die etablierten Stars über 21 Jahre auf den Goldenen Ball schielen, prämiert der seit 2006 aktive Award den Jungspieler, mit dem größten Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft und das Turnier. Die Einführung des Titels folgte damit einer natürlichen Entwicklung im Fußball. Immer mehr verschiebt sich die Wahrnehmung der Öffentlichkeit auf aufstrebende Jungspieler. Fast wöchentlich taucht in irgendeiner Liga ein Jahrhunderttalent auf, das den Fußball revolutionieren soll oder als Heilsbringer gefeiert wird. Doch nur die wenigsten schaffen den Sprung auf die ganz große Bühne und hinein in einen erlauchten Kreis, der berechtigt auf den Titel bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hoffen darf.

Bester Jugendspieler nicht im besten Team zu finden

Bevor man jedoch auf die möglichen Kandidaten schaut, muss ein Anforderungsprofil an den besten jungen Spieler gestellt werden: Logischerweise muss das Heimatland des Spielers bei der WM 2014 vertreten sein. Weiterhin sollte der mögliche Titelträger zu einer wichtigen Figur im mannschaftlichen Gefüge gehören und gleichzeitig bei einem Team spielen, das nicht bereits im Achtelfinale scheitert. Die Historie des Titels zum besten jungen Spieler zeigt, dass eine Teilnahme in der KO-Runde mindestens benötigt wird. Selbst die von der FIFA nachträglich verliehenen Titel für die zwölf Weltmeisterschaften vor 2006 beinhalten nur Spieler, die zu den Top-Teams zählten. Allerdings fällt auf, dass ein Weltmeistertitel kein Glück bringt. Einzig der junge Pelé konnte als Weltmeister und bester Jungspieler in die Heimat reisen.

Die besten Jungspieler aller Weltmeisterschaften im Überblick

  • Pelé | Brasilien | 1958 in Schweden | Weltmeister
  • Florián Albert | Ungarn | 1962 in Chile | Viertelfinale
  • Franz Beckenbauer | Deutschland | 1966 in England | Vizeweltmeister
  • Teófilo Cubillas | Peru | 1970 in Mexiko | Viertelfinale
  • Wladyslaw Zmuda | Polen | 1974 in Deutschland | Dritter
  • Antonio Cabrini | Italien | 1978 in Argentinien | Vierter
  • Manuel Amoros | Frankreich | 1982 in Spanien | Vierter
  • Enzo Scifo | Belgien | 1986 in Mexiko | Vierter
  • Robert Prosinecki | Jugoslawien | 1990 in Italien | Viertelfinale
  • Marc Overmars | Niederlande | 1994 in USA | Viertelfinale
  • Michael Owen | England | 1998 in Frankreich | Achtelfinale
  • Landon Donovan | USA | 2002 in Japan/Südkorea | Viertelfinale
  • Lukas Podolski | Deutschland | 2006 in Deutschland | Dritter
  • Thomas Müller | Deutschland | 2010 in Südafrika | Dritter
Brasilien 1958

Einzig Pelé wurde bisher Weltmeister und bester Jungspieler. (Bild: gemeinfrei – Aftonbladet/Wikipedia)

Der Kreis der Favoriten auf den Weltmeistertitel ist 2014 außergewöhnlich groß. Neben den Schwergewichten Spanien, Deutschland, Italien, Brasilien und den Niederlanden, die traditionell zum Favoritenkreis einer jeden WM zu zählen sind, brechen 2014 auch Kolumbien, Uruguay und Belgien in die Phalanx des berühmten „erweiterten Favoritenkreises“ ein. Doch nicht jede Nationalmannschaft schafft den perfekten Spagat aus jungen Talenten und etablierten Stars. In Argentinien gehört der Platz des jüngsten Nationalmannschaftsspielers Erik Lamela, der mit 22 Jahren die Kriterien für den begehrten Titel nicht mehr erfüllt. Argentinien verabschiedet sich bereits vor dem Turnierstart aus dem Rennen um den besten Jungspieler. Das gleiche Schicksal ereilt auch Turnierfavorit Brasilien. Zwar stellt das Team mit Bernard und Neymar zwei vielversprechende Talente, die in den nächsten Jahren in die höchsten Sphären des Sports vordringen werden; doch für die Offensivspieler bleibt nur der Goldene Ball.

WM-Favoriten ohne Jungstars auf Titeljagd

Fast schon traditionell spielt auch Italien bei der Suche nach dem besten Jungspieler keine Rolle. Trainer Cesare Prandelli vertraute bei der Erstellung des WM-Kaders auf etablierte Stars und stellt eines der ältesten Teams der WM 2014. Auch Spanien und Kolumbien verabschieden sich bereits vor dem ersten Anpfiff aus dem Rennen um den besten jungen Spieler der Weltmeisterschaft in Brasilien. Bleiben nur Deutschland, die Niederlande, Uruguay und das belgische Team übrig, deren Kader im folgenden Abschnitt auf den Prüfstand genommen wird.

Belgiens Sturmstar Lukaku

Romelu Lukaku erfüllt alle Voraussetzungen, um 2014 bester Jungspieler zu werden. (Bild: Warrenfish/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

In Belgien huldigt man dem Team von Marc Wilmots bereits vor dem Turnierstart. Der offensive Charakter des Spiels vereinigt sich mit großartigen Talenten, die vor der Blüte ihrer Karriere stehen. Doch für den Titel des besten Jungspielers sind nur Sturmstar Romelu Lukaku und Flügelspieler Adnan Januzaj relevant. Beide Spieler verdienen ihr Geld in der englischen Premier League und schafften in der vergangenen Saison ihren großen Durchbruch. Lukaku gehörte zur Stammformation von Everton und beteiligte sich direkt an 22 Toren, von denen er 14 selbst erzielte. Auch ansonsten schickt Baby-Drogba, wie Lukaku aufgrund seiner Spielweise genannt wird, eine Menge Argumente für sich in das Rennen um die Jungspieler-Auszeichnung. Sein Einfluss auf dem grünen Rasen ist sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft enorm. Lukaku pflügt durch die gegnerische Abwehr und schiebt seine Gegenspieler im Zweikampf mit Leichtigkeit zur Seite.

Das Gegenstück zum physischen Spiel eines Lukaku stellt Adnan Januzaj von Manchester United dar. Der schlaksige Spieler wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein Kontrahent, der es mit den größten Spielern des Kontinents aufnehmen kann. Doch Januzaj bewies im roten Trikot von Manchester United nicht nur einmal, dass er es faustdick hinter den Ohren und in den Oberschenkeln hat. Auf der rechten Seite sorgt er dank einer unheimlichen Schnelligkeit und großartiger Antizipation regelmäßig für Wirbel in den Hintermannschaften. Der Lohn für sein Talent waren 26 Einsätze in Ligaspielen, die er mit gerade einmal 19 Jahren absolvierte. Mittlerweile schnellte auch der Marktwert Januzajs in die Höhe. Laut „Transfermarkt.de“ würde ein Transfer des Flügelspielers mit über sechs Millionen Euro zu Buche schlagen. Ob Januzaj während der WM 2014 in Brasilien häufig zum Einsatz kommt, scheint fraglich. Auf seiner Position steht mit Kevin Mirallas ein Spieler bereit, der über wesentlich mehr Erfahrung und die gleichen Fähigkeiten verfügt.

Die niederländische Jugendarbeit lebt

Nicht erst seit dem WM-Endspiel 2010 in Südafrika gehört der niederländische Fußball wieder zur weltweiten Elite. Spieler wie Arjen Robben oder Robin van Persie stehen für schnellen und technisch hochwertigen Fußball, der an die Spitzenzeiten der 80er- und 90er-Jahre anknüpft. Doch wie auch vor ein paar Jahrzehnten sind es die Jugendspieler, die aus dem Kollektiv an Weltklasse-Spielern erfrischend herausragen. Besonders die einheimische Jugend aus den Talentschmieden Rotterdam und Eindhoven soll während der WM 2014 in Brasilien für Furore sorgen. Insgesamt fünf Aspiranten auf den Titel des besten Jugendspielers hält der Kader von Trainer Louis van Gaal bereit.

Niederländische Talente bei der WM 2014

  • Karim Rekik | PSV Eindhoven | Abwehr | 19 Jahre
  • Memphis Depay | PSV Eindhoven | Sturm | 20 Jahre
  • Jean-Paul Boëtius | Feyenoord Rotterdam | Sturm | 20 Jahre
  • Terence Kongolo | Feyenoord Rotterdam | Abwehr | 20 Jahre
  • Tonny Vilhena | Feyenoord Rotterdam | Mittelfeld | 19 Jahre

Als interessantester und vielversprechendster Kandidat aus der Riege der niederländischen Jungspieler gilt Tonny Vilhena. Der zentrale Mittelfeldspieler knüpft an die Tradition großartiger Spielmacher aus der heimischen Jugend an. Dirigierten in früheren Jahren Johann Cruyff oder Wesley Sneijder das Geschehen auf dem Platz, tritt heute Tonny Vilhena in die riesigen Fußstapfen. Der schmächtige Linksfuß wird sich seinen Platz mit dem eben erwähnten Sneijder teilen. Während der letzen Saison kam Vilhena auf 32 Einsätze im zentralen Mittelfeld der Rotterdamer. Mit insgesamt 13 direkten Torbeteiligungen sorgte der Jungspieler dafür, dass seine Farben direkt hinter Ajax Amsterdam die Vizemeisterschaft erreichten. In der Nationalmannschaft der Niederlande lief Vilhena bisher viermal auf und erzielte während seiner Einsatzzeit ein Tor.

Mittelfeld Niederlande Vilhena

Tonny Vilhena ist die Jugendhoffnung der Niederlande. (Bild: Robert Hertel/Wikipedia unter CC BY 2.0)

Doch es sind nicht die reinen Statistiken, die Vilhena zu einem großen Anwärter auf den Titel des besten Jungspielers machen. Der Mittelfeldspieler mit angolanischen Wurzeln verfügt über eine ausgeprägte Feldübersicht und versteht es, selbst kleinste Veränderungen und Lücken in der gegnerischen Abwehr zu deuten und für seinen Vorteil zu nutzen. Im Stile eines Toni Kroos spielt Vilhena oft genug den entscheidenden Pass, der die Angriffswelle ins Rollen bringt. Gleichzeitig gehört ein sicherer Abschluss ebenfalls zu seinen Offensivwaffen. Vilhena wird nicht auf einen Stammplatz pochen und dennoch von Louis van Gaal häufig eingesetzt werden.

Etwas anders sieht es bei den übrigen vier Talenten aus, für die Brasilien 2014 ein erster Schritt in Richtung Nationalmannschaft sein wird. Die Eigengewächse des niederländischen Verbands müssen um ihre Einsätze kämpfen und werden wohl mit einem Platz auf der Tribüne oder der Ersatzbank vorlieb nehmen müssen. Memphis Depay könnte als sprintstarker Flügelstürmer zum Ende einer Partie eingesetzt werden, wenn die müde Abwehr überlaufen werden soll. Terence Kongolo gilt als Ersatz des Innenverteidiger-Duos Ron Vlaar / Bruno Martins und balgt sich gleichzeitig mit Joel Vermant und einen Platz auf der Ersatzbank. Karim Rekik ist der erste Abschusskandidat, wenn es um die Streichliste des WM-Kaders geht; und Jean-Paul Boëtius hängt auch unter van Gaal hinter Huntelaar und van Persie fest.

Deutsche Wertarbeit in der Jugend

Doch nicht nur in den Niederlanden drängen junge Talente in den wichtigsten Kader des Landes. In Deutschland herrscht schon lange keine Aufbruchstimmung mehr; die Nationalmannschaft erntet die Früchte jahrelang optimierter Jugendarbeit. Doch nur vier Spieler aus dem vorläufigen Kader von Joachim Löw erfüllen die Altersanforderung für den Titel zum besten Jungspieler.

Deutsche Anwärter auf den Titel „Bester Jungspieler“

  • Matthias Ginter | SC Freiburg | Abwehr | 20 Jahre
  • Max Meyer | Schalke 04 | Mittelfeld | 18 Jahre
  • Leon Goretzka | Schalke 04 | Mittelfeld | 19 Jahre
  • Julian Draxler | Schalke 04 | Mittelfeld | 20 Jahre

Vor allem auf den fünf Plätzen im Mittelfeld der deutschen Mannschaft tobt ein enormer Konkurrenzkampf. Das Schalker Triumvirat um Meyer, Goretzka und Draxler hofft auf Einsätze neben Kroos, Götze, Müller, Schweinsteiger und Özil. Allerdings scheint nur Julian Draxler ernsthafte Möglichkeiten besitzen, in einem Spiel eingesetzt zu werden. Dem beidfüßigen Jungspieler kommt dabei vor allem sein Polyvalenz zu gute. Draxler fühlt sich zwar auf der linken Seite am wohlsten, kann jedoch ohne Qualitätsverlust ins zentrale Mittelfeld oder auf die rechte Seite verschoben werden. Obwohl das Schalker Eigengewächs erst ein Länderspiel absolvierte, kann er mit guten Leistungen während der WM 2014 für seinen Durchbruch auf internationaler Bühne sorgen.

Mit Matthias Ginter steht Löw ein vielseitiger Abwehrspieler zur Verfügung, der im Laufe einer langen Weltmeisterschaft zum Einsatz kommen kann. Ginter agierte in der Freiburger Mannschaft im zentralen Mittelfeld oder störte den gegnerischen Sturmverband mit seiner eleganten Zweikampfführung. Für die beiden übrigen Jungspieler, Meyer und Goretzka, bleibt während der WM 2014 nur der Platz des Zuschauers. Zwar würden ihre Anlagen für einen Einsatz ausreichen, doch im dicht besetzten deutschen Mittelfeld, ist ihre Zeit noch nicht gekommen.

Mittelfeld DFB Draxler

Julian Draxler könnte als Mittelfeldspieler den Titel gewinnen. (Julian Draxler (Michael Kranewitter/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Uruguay: Wird ein Abwehrhüne bester Jungspieler?

Allein auf weiter Flur steht José Giménez. Der Abwehrspieler Uruguays steht als einziger Jungspieler im Kader der offensivstarken Mannschaft. Schaut man jedoch auf die Historie des Titels, stellt man fest, dass meist nur Offensivkräfte in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Allerdings könnte Giménez´ Vielseitigkeit zum Vorteil werden. Egal, ob auf der rechten Außenbahn oder als klassischer Vorstopper, der 19-Jährige geht kompromisslos zu Werke und raubt Stürmern mit seinem körperbetonten Spiel das Momentum. Dennoch wird auch Giménez nichts mit der Verleihung des Titels „Bester Jungspieler“ zu tun haben.

Zieht man die Kriterien und die Historie des Titels zu Rate, läuft die Vergabe auf einen Dreikampf zwischen Julian Draxler, Tonny Vilhena und Romelu Lukaku hinaus. Das beste Blatt hält Lukaku in der Hand. Der belgische Stürmer gehört in der Nationalmannschaft zum Stammpersonal, überzeugte bereits in der Premier League und agiert auf hohem Niveau. Während Lukaku von Anfang an seine Leistung bringen darf, müssen sich Draxler und Vilhena erst in das Team kämpfen.

Die Wachablöse beginnt während der WM 2014

Dennoch sollte man auch die übrigen Topspieler nicht außen vor lassen. Eine Weltmeisterschaft ist der perfekte Zeitpunkt, um große Karrieren ausklingen zu lassen und den jungen Talenten ihren neuen Platz zu zeigen. Das deutsche Team bereitet sich auf den mittelfristigen Abschied von Schweinsteiger, Khedira und Lahm vor, die als etablierte Spieler über Jahre den Fußball prägten. Und auch in anderen Ländern werden die großen Stars ein letztes Mal auf internationaler Bühne zu sehen sein. Die Spanier müssen sich damit abfinden, dass mit Andres Iniesta und Xavi das Herzstück des Mittelfelds nicht mehr lange bestehen wird. Für die Franzosen steht der Abschied von Frank Ribery, Patrice Evra, Mathieu Valbuena und Bacary Sagna bevor.

Stars über 30 Jahre bei der WM 2014

  • Dani Alves | 31 Jahre | Brasilien
  • Iker Casillas | 32 Jahre | Spanien
  • Andres Iniesta | 30 Jahre | Spanien
  • Xavi | 34 Jahre | Spanien
  • Xabi Alonso | 32 Jahre | Spanien
  • Darijo Srna | 32 Jahre | Kroatien
  • Didier Drogba | 36 Jahre | Elfenbeinküste
  • Yaya Toure | 30 Jahre | Elfenbeinküste
  • Ashley Cole | 33 Jahre | England
  • Steven Gerrard | 33 Jahre | England
  • Frank Lampard | 35 Jahre | England
  • Gianluigi Buffon | 36 Jahre | Italien
  • Andrea Pirlo | 34 Jahre | Italien
  • Pepe | 31 Jahre | Portugal
  • Philipp Lahm | 30 Jahre | Deutschland
  • Miroslav Klose | 35 Jahre | Deutschland
  • Arjen Robben | 30 Jahre | Niederlande
  • Klaas-Jan Huntelaar | 31 Jahre | Niederlande
  • Robin van Persie | 31 Jahre | Niederlande
  • Wesley Sneijder | 30 Jahre | Niederlande