Andreas Brehme war es 1990 vergönnt, Deutschland zum WM-Titel zu schießen. In einem über weite Strecken langatmigen Finale entschied zum ersten Mal ein Elfmeter das größte Sportereignis des Jahres. Zuvor war der Deutschen Nationalmannschaft bereits ein klarer Elfmeter verwehrt wurden, während Finalgegner Argentinien nie an die Leistungen des Jahres 1986 anknüpfen konnte. Deutschland war Weltmeister. 24 Jahre später wartet eine ganze Fußballnation erneut auf den Titelgewinn. Mehrere Anläufe scheiterten; mal kläglich, mal unglücklich. In Brasilien 2014 soll nun endlich alles zusammenpassen. Dafür setzt Trainer Joachim Löw vor allem auf einen riesigen Block aus Spielern von Borussia Dortmund und Bayern München.

DFB-Team vor einem Spiel

Der Kern der Deutschen Nationalmannschaft steht bereits seit der EM 2012. (Bild: Steindy/Wikipedia unter CC BY-SA 2.0)

Bayrische Konstanz und Dortmunder Elan

Der Kern des Teams 2010, das bei der Weltmeisterschaft in Südafrika den dritten Platz belegte, steht weiterhin. Mit Manuel Neuer, Jerome Boateng, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Sami Khedira, Toni Kroos, Mesut Özil, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Thomas Müller und Lukas Podolski steht eine komplette Elf zur Verfügung, die bereits bei der letzten WM für Furore sorgte. Joachim Löw kann sich auf seine Leistungsträger verlassen. In den vergangenen vier Jahren drängten zusätzlich Dutzende Talente in die Nationalmannschaft, die Druck auf die etablierten Spieler ausüben. Besonders das junge Dortmunder Team stellt einen dynamischen Block dar, der vom Flügelstürmer Marco Reus angeführt wird.

Spieler von Borussia Dortmund

  • Marco Reus | Angriff | 25 Jahre
  • Roman Weidenfeller | Torwart | 34 Jahre
  • Erik Durm | Abwehr | 22 Jahre
  • Mats Hummels | Abwehr | 25 Jahre
  • Marcel Schmelzer | Abwehr | 26 Jahre
  • Kevin Großkreutz | Mittelfeld | 25 Jahre

Borussia Dortmund stellt mit sechs Spielern den zweitgrößten Teamblock in der Nationalelf. Auf dem ersten Platz stehen erwartungsgemäß die Fußballer des FC Bayern München, die im Siebener-Pack Richtung Brasilien reisen. Mit Mario Götze steht nur ein neuer Spieler aus der bayrischen Metropole im Team für die WM 2014. Gemeinsam stellen die besten deutschen Teams 13 Spieler und bringen, dank der hohen Anzahl an internationalen Spielen, jede Menge Erfahrung ein, die besonders den jungen Spielern Last abnehmen kann. Das wird auch nötig sein. Bei der Zusammenstellung des Kaders für die Weltmeisterschaft ging Joachim Löw ein bewusstes Risiko ein. Statt allein auf bekannte Kräfte zu setzen, finden sich jede Menge Jungstars in den Reihen der Deutschen Nationalmannschaft.

Drei Jungspieler sorgen für neue Impulse

Besonders Christoph Kramer, Julian Draxler und Kevin Volland stehen für frischen Wind in der Nationalelf und sollen in erster Linie neue Reize in der eingespielten Truppe setzen. Sollte Julian Draxler regelmäßig im Mittelfeld zum Einsatz kommen, steht sogar der Titel des besten Jungspielers zur Debatte. Mit gerade einmal 20 Jahren erfüllt Draxler als einziger deutscher Spieler die Voraussetzungen für den Gewinn des prestigeträchtigen Titels. Christoph Kramer überzeugte in der Rückrunde der Bundesliga mit starken Auftritten im Trikot von Borussia Mönchengladbach. Die Nominierung für die Nationalelf ließ Kramers Marktwert in die Höhe schnellen. Hätte ein potenzieller Arbeitgeber vor der Nominierung drei Millionen Euro für Kramer auf den Tisch legen müssen, liegt der Marktwert nun bei fast sechs Millionen Euro.

Berechtigte Chancen auf regelmäßige Einsätze im deutschen Trikot darf sich Kevin Volland machen. Da der nominell erste Stürmer, Miroslav Klose, noch an seiner Fitness arbeiten muss, wird der Hoffenheimer Angreifer besonders in Spielen gegen zweitklassige Gegner wie die USA gefragt sein. Jugend und Erfahrung – die Mischung scheint im deutschen Team zu stimmen. Nicht umsonst gehört die DFB-Elf zu den Topfavoriten der WM 2014 und wird nach Gastgeber Brasilien als erster Anwärter auf den Titel gehandelt. Probleme könnte der Abwehrverbund bereiten.

Philipp Lahm und die defensive Baustelle

Das liegt besonders an der Neuorientierung Philipp Lahms. Während der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bisher als kompromissloser und eleganter Abwehrspieler galt, wurde er unter Pep Guardiola bei den Bayern endgültig als Mittelfeld-Spieler etabliert. Und auch Joachim Löw scheint von der Vorstellung angetan, den ballsicheren Lahm ins defensive Mittelfeld zu stecken. Allerdings öffnet sich dadurch eine Baustelle in der Abwehr, die nicht adäquat geschlossen werden kann. Jerome Boateng könnte die Position zwar begleiten, scheint jedoch im Abwehrzentrum gesetzt zu sein. Marcel Schmelzer wird seine angestammte Position auf dem linken, defensiven Flügel nicht verlassen; und für Erik Durm steht noch nicht endgültig fest, ob er überhaupt auf den WM-Zug aufspringt.

Philipp Lahm in Zahlen

  • 30 Jahre
  • 170 Zentimeter Größe
  • 105 Länderspiele
  • 5 Tore im DFB-Team
  • fünfmaliger Deutscher Meister
  • fünfmaliger DFB-Pokalsieger
  • Champions-League-Sieger
  • zweifacher Champions-League-Finalist
  • Vizeeuropameister
  • zweimal 3.Platz bei Weltmeisterschaften
  • viermalige Nominierung im UEFA Team of the Year
  • Mitglied in der FIFA Pro XI 2013

Allerdings hängen die Planspiele auch davon ab, wie der Heilungs- und Fitnessverlauf von Sami Khedira fortschreitet. Während an dem Gesundheitszustand kaum noch Zweifel angemeldet werden, steht vor allem das Spielgefühl auf dem Prüfstand. Sollte Khedira rechtzeitig seinen Rhythmus finden, wird Löw auch weiterhin auf das eingespielte Duo Schweinsteiger / Khedira vertrauen. Lahm würde die Führung des Spiels für die Besetzung einer Problemstelle opfern und sich wieder in die Defensive zurückziehen. Wesentlich unproblematischer sieht es im Angriff der Deutschen Nationalmannschaft aus.

Prunkvolle Offensive als Trumpf im WM-Kampf

Obwohl die nominellen Stürmer durch den Ausfall von Mario Gomez nicht so tief besetzt sind wie bei der WM 2010, bringt das deutsche Team jeden Gegner in Bedrängnis. Das liegt vor allem an den hervorragenden Mittelfeld-Spielern, die von Mesut Özil dirigiert werden. Mit Marco Reus und Mario Götze stehen zwei Hochgeschwindigkeitsspieler bereit, die gleichzeitig über eine ausgefeilte Technik verfügen. Besonders Marco Reus konnte in der Rückrunde für Furore sorgen und riss mit seinen Tempoläufen immer neue Lücken in den gegnerischen Abwehrverbund. Toni Kroos kann als adäquater Ersatz von Özil das Spiel jederzeit an sich reißen. Und dank Müller und Lukas Podolski braucht sich die DFB-Elf auch ohne Stürmer nicht um ihre Torgefahr sorgen.

Die Deutsche Nationalmannschaft ist für die WM 2014 in Brasilien gut aufgestellt. Obwohl die Abwehr nicht immer sattelfest wirkt, trumpft die offensive in jedem Spiel auf. Trainer Joachim Löw stehen zahlreiche Optionen bereit, die in jeder Spielminute die Partie entscheiden können. Schafft es das Trainerteam, die Balance aus Angriff und Defensive zu verbessern, steht einem erfolgreichen Angriff auf Titelverteidiger Spanien nichts im Wege.

Die voraussichtliche Stammelf des DFB-Teams

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