Fankurve ZSKA Moskau

Wegen rassistischer Äußerungen der ZSKA-Fans findet das Spiele gegen den FC Bayern München ohne Publikum statt. (Bild: Chivista/Wikipedia unter CC-by-sa 3.0/de)

Kein Publikum wegen Fehlverhalten der Fans

Der Hauptstadtklub ZSKA Moskau ist in den letzten Monaten mehrfach durch massives Fehlverhalten der Fans negativ aufgefallen. Ein Problem sind Unruhen und Randale vor, nach und auch während der Spiele. Vor allem das Thema Pyrotechnik hat den Veranstaltern und Sicherheitsleuten dabei Kopfzerbrechen bereitet.

Besonders schlimm jedoch sind die beleidigenden und verletzenden Äußerungen gegenüber ausländischen, insbesondere dunkelhäutigen Spielern, der Gegnermannschaften. Die Strafe des Geisterspiels ist direkte Folge des letzten Gruppenspiels der vergangenen Champions-League-Saison. Damals hatten die ZSKA-Fans sich derbe Ausfälle gegenüber den Spielern des Vereins Viktoria Pilsen geleistet.

Rassismus im Stadion

Ein weiterer Gruppengegner der Bayern ist der AS Rom, der die Moskauer im Auftaktspiel mit 5:1 vom Platz fegte. Wieder gab es seitens der ZSKA-Moskau-Anhänger unschöne Szenen, die sogar zu einer zweiminütigen Spielunterbrechung führten. Innerhalb der Liga war Derby-Rivale Dynamo Moskau zuletzt Opfer rassistischer Anfeindungen. Der kongolesische Innenverteidiger Samba wurde so massiv beleidigt, dass er zur zweiten Halbzeit nicht auf den Platz zurückkehrte.

Torwart DFB 2014

Manuel Neuer und Co. spielen auch ohne Zuschauer um wichtige CL-Punkte. (Michael Kranewitter/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Die Ursache dieser Ausfälle scheint nicht einfach auszumachen zu sein. Viele Experten meinen, dass in einer Zeit der Isolation, in der sich Russland insgesamt aktuell befindet, eine besonders starke Abschottung stattfindet. Das ohnehin sehr starke russische Nationalgefühl findet gerade bei ZSKA Moskau eine sehr gute Heimat.

ZSKA stand für den „Zentralen Sportklub der Armee“ und zwar der sowjetischen. Dieser traditionsreiche und starke Name wird von nun von unzufriedenen oder vielleicht selbst geängstigten Menschen als Schutzschild benutzt, um sich abzugrenzen von allem Fremden. Vor allem Menschen mit dunkler Haut, die bereits optisch als „anders“ erkannt werden, sind beliebte Ziele von Spott und Beleidigung.

Sport und soziale Verantwortung vereinen

Das Mittel des Ausschlusses der Zuschauer ist stark umstritten. Während es der aktuelle UEFA-Präsident Michel Platini sehr gern anwendet und die Sanktion die Verursacher treffen soll, aber den Fußball an sich nicht gefährdet, vertritt FIFA-Präsident Sepp Blatter eine gegenteilige Meinung. Er würde eher Punktstrafen und sogar den Ausschluss einer Mannschaft aus einem Turnier erwägen, um gegen Rassismus vorzugehen, aber niemals Geisterspiele unterstützen.

Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern ist ebenfalls kein Freund von Geisterspielen. Er ist enttäuscht über diese Maßnahme und meint dazu, dass gerade die Atmosphäre und die Leidenschaft der Fans den Fußball zu dem Erlebnis machen, was es ist. Außerdem zeigt das Beispiel ZSKA Moskau, dass offenbar selbst die härtesten Strafen die Fans – oder besser: einen kleinen Teil der extremen Fans – nicht abschrecken.

Vielleicht nehmen diese unerfreulichen Tendenzen wieder ab, wenn die aktuelle Ukraine-Krise geklärt ist. Eventuell werden aber doch irgendwann noch drastische Strafen nötig sein, um auch die Vereine zu mehr Eigenverantwortung hinsichtlich ihrer Fans zu zwingen. Denn auch die Aufklärungs- und Fanarbeit in Moskau lässt noch zu wünschen übrig. Rassismus ist im Gegensatz zu vielen westeuropäischen Ländern in Russland relativ salonfähig und muss an den Wurzeln bekämpft werden.

Das kommende Spiel wird beide Mannschaften vermutlich nicht so sehr mitreißen wie normale Partien. Die drei wertvollen Punkte wollen jedoch beide haben und so muss der geneigte Zuschauer seine Herzensmannschaft vor dem Fernsehgerät anfeuern. Der Austragungsort wurde aus Sicherheitsgründen außerdem vom Lokomotiv-Stadion in die Arena Chimki verlegt. Für Trainer Pep Guardiola wird es das erste Spiel dieser Art sein.