Xavi und der Ball: Gemeinsam immer auf der Suche nach dem richtigen Ziel (Bild: Alfonso Jimenez/Wikipedia unter CC BY-SA 2.0)

Xavi und der Ball: Gemeinsam immer auf der Suche nach dem richtigen Ziel (Bild: Alfonso Jimenez/Wikipedia unter CC BY-SA 2.0)

Suche nach dem Raum

Kaum ein Spieler verkörpert den stilbildenden spanischen Tiqui-Taca wie Xavi Hernández i Creus. Er ist nicht groß, nicht schnell, nicht kräftig. Aber er beherrscht das Passspiel. Hat eine brillante Ballbehandlung und unvergleichliche Übersicht.

Sein Teamkollege Dani Alves sagt: „Xavi spielt in der Zukunft.“ Er sieht Räume, wo eigentlich keine sind.

„Das ist das, was ich mache: Ich suche nach Räumen. Den ganzen Tag. Ich suche immer. Jeden Tag, jeden Tag.“ Xavi sieht sich selbst als Fußball-Romantiker, erzählt er dem britischen Journalisten Sid Lowe im „Guardian“-Interview. „Entweder das, oder ich wäre gestorben. Ich finde es toll, dass heutzutage Technik und Talent höher bewertet werden als die physische Konstitution.“

Große Titelsammlung

Über Jahre dominierte Xavi mit seinem Stil die internationale Fußballszene. Die spanische Nationalmannschaft führte er zwischen 2008 und 2012 zu zwei Europa- und einem Weltmeistertitel, gewann parallel mit dem FC Barcelona nationale und internationale Wettbewerbe. Insgesamt 26 Titel errang „El Maestro“ im Laufe seiner bisherigen Karriere.

Sein Abschied aus der Nationalmannschaft verlief ruhig, fast unscheinbar. Das letzte WM-Spiel der Spanier, gegen Chile, verfolgte Xavi von der Bank. Den Rücktritt erklärte er viel später und weniger medienwirksam als etwa Weltmeister Lahm.

La Masia ein Leben lang

Die Zukunft hat der 34-jährige Xavi schon verplant. Er bleibt beim FC Barcelona. Zwei weitere Jahre läuft der Vertrag. Es wird Xavis letzte Aufgabe sein, den nächsten Umbruch bei Barcelona mitzutragen. Dafür wurde er sogar mit dem Kapitänsamt ausgestattet. Für Xavi ist das, trotz aller Verdienste, keine Selbstverständlichkeit. In der Öffentlichkeit bedankte er sich daher ausdrücklich für das vom Verein entgegengebrachte Vertrauen.

„Der Verein hat mir das Gefühl vermittelt, noch nützlich zu sein.“ Die verkorkste WM habe sehr an seiner Moral gekratzt, meint Xavi bei „allsport.com.gh“. „Aber mit den neuen Trainern und Spielern beim FC Barca, fühle ich mich sehr wohl. Ich fühle mich gerade wie ein kleines Kind.“

Das Kind im Manne

Mit elf Jahren stieß Xavi zur Barca-Fußballschule La Masia, die erst dank ihm den mythenhaften Status erhielt, dem sie jetzt auf der ganzen Welt nacheifern. „Die meisten Jugendakademien kümmern sich um das Gewinnen“, sagte Xavi wiederum zu Sid Lowe. „Bei uns geht es um die Ausbildung. Wir sehen ein Kind, das vor seinem ersten Pass den Kopf hochnimmt und denken: Der kann es, bringt ihn her, trainiert ihn.“

Xavi setzt das La Masia-Verständnis vom Fußballspiel in Perfektion um. Er hat damit den Sport, die Art wie er gespielt und begriffen wird, in den letzten Jahren maßgeblich beeinflusst. Heutzutage erntet ein Hackentrick mehr Applaus als eine Grätsche, ein Lupfer mehr als ein Befreiungsschlag.

Ende in Sicht

Mit Finesse und dem Hirn eines Idealisten startete Xavis demütige Reise bei seinem Familienklub Barcelona vor über zwanzig Jahren. Dieser Weg ist bald vorbei. Seht ihm noch einmal zu. Einen wie ihn, wird es nicht mehr geben.

3nil is proud to release ‚Football…