Es geht um Khediras Zukunft: in Spanien auf dem Abstellgleis, in England schon heiß umworden und in Deutschland diskutiert (Bild: Steiny/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Es geht um Khediras Zukunft: in Spanien auf dem Abstellgleis, in England schon heiß umworden und in Deutschland diskutiert (Bild: Steiny/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Bei geöffnetem Transferfenster bläst dem gemeinen spanischen Sportredakteur ein harter Wind ins Gesicht. In kurzen Abständen muss er die Öffentlichkeit mit wahlweise interessanten oder abstrusen Gerüchten versorgen. Über eine besonders kreative Gerüchteküche verfügt die täglich erscheinende „Marca“. Die gestrige Ausgabe zeigte Sami Khedira auf der Titelseite und brachte mit der Behauptung „Bayern lockt Khedira“ die Fans ins Aufruhr.

Spanisches Sommerloch oder handfester Hinweis?

Wie die Antwort auf diese Frage lautet, hängt maßgeblich vom Befragten ab. Bayerns Vorstandchef Rummenigge etwa wiegelt ab. Der Nachrichtenagentur dpa erklärte er, dass es keinerlei Interesse an einer Verpflichtung gäbe: „Eine Ente“.

Die „Süddeutsche“ weiß es besser. Sie identifiziert Khedira als „Streichkandidaten“ bei Real Madrid, dem neuen Klub von Ex-Bayer Toni Kroos. „Derzeit diskutiert der Klub intern, ob Khedira den Weggang von Kroos kompensieren könnte“, schreibt Thomas Hummel.

Khediras Berater hingegen zeigt sich vom Trubel unberührt und erklärt, dass sein Schützling Sami bald in Vertragsverhandlungen mit Real Madrid treten wird. Am München-Gerücht sei gar nichts dran.

Die Real-Bosse selbst würden Khedira am liebsten sofort loswerden. Denn Khediras Abgang wäre auch eine finanzielle Entlastung, die Real, gerade nach dem Megatransfer von James Rodriguez, gut gebrauchen kann.

Das Sami-Khedira-Stadion

Und Khedira bleibt gewohnt cool und abgeklärt. Denn während „seine“ Marca-Ausgabe heiß diskutiert wird, fährt der Deutsch-Tunesier nach Hause, ins schwäbische Fellbach, einem Vorort von Stuttgart.

Dort feierte der Nationalspieler mit hunderten Fans seinen Weltmeistertitel, wurde mit einem Trikot seines Heimatklubs TV Oeffingen beglückt und stieg danach in die Annalen der Kleinstadtgeschichte auf, als das Stadion seinen Namen erhielt. Zum Abschluss verriet Khedira seinen Heimatfans:

„Ich habe jetzt erstmal Urlaub und werde am 5. August wieder zum Trainingsauftakt in Madrid erscheinen.“

Schlüsselmoment der Karriere

Es ist nicht das erste Gerücht des Sommers um Sami Khedira. Seine Wunderheilung nach dem Kreuzbandriss und die anschließende WM, brachten den Sechser wieder auf die Schreibtische der Fußballmanager dieser Welt. Aus London meldeten sowohl Chelsea als auch Arsenal ihr Interesse an einem Khedira-Deal an.

Der steht an einer wichtigen Weggabelung in seiner Karriere. Bei seinem Heimatverein in Madrid droht der Verlust des Stammplatzes. Die Konkurrenz auf seiner Position ist riesig, nicht zuletzt nach der Kroos-Verpflichtung. Außerdem ist Khedira als 27-Jähriger langsam bereit eine Führungsrolle in einem Team einzunehmen. Dafür sprechen auch seine körperliche Präsenz, sein Aktionsradius und seine professionelle Arbeitseinstellung. Wenn er diese Rolle von Real-Coach Ancelotti nicht bekommt, muss er den Wechsel forcieren.

Entweder unverzüglich nach England oder im nächsten Sommer nach Deutschland, die Gefahr in dieser Spielzeit nur spanische Bänke zu drücken, mit einkalkuliert. Aber diese Entscheidung liegt ausschließlich beim Profi selbst.