(Bild: Michael Krämer/wiki

Die Raute im Herzen: Der Bundesliga-Dino nach der Horrorsaison (Bild: Michael Krämer/Wikipedia unter CC BY 2.0 DE)

In der Führungsetage: Viel Bewegung

An den chronischen Problemen im Hamburger Umfeld soll sich endlich etwas ändern. Der Grundstein dafür wurde bereits am Ende der letzten Saison gelegt, als die Mitglieder bei der Versammlung im Stadion das Reformpaket HSVPLUS verabschiedeten. Dabei wird einerseits die Fußballabteilung als AG aus dem Gesamtverein ausgegliedert – vor diesem Schritt hatten sich die Verantwortlichen jahrelang gedrückt. Andererseits wird der mächtige Aufsichtsrat verkleinert und mit gemäßigtem Personal bestückt. Die Zeiten als sich noch Fan-Vertreter in dem Kontrollgremium wiederfanden, sind nun endgültig vorbei.

Abgesehen von dieser einschneidenden Strukturreform spülte die Sommerpause einige interessante Köpfe aus und in den Verein. Sportdirektor Oliver Kreuzer wurde nach nur einem Jahr wieder freigestellt. Dass ihm im Nachhinein, als sportlich Verantwortlichem, die Schuld für die verkorkste Spielzeit in die Schuhe geschoben wird, ist ein branchenübliches Verfahren. Nutznießer ist wohl der neue Aufsichtsratschef Dietmar Beiersdorfer, auf dessen Schreibtisch künftig sämtliche Clubgeschäfte zusammenlaufen. „Der HSV ist mein Baby“, erklärte Beiersdorfer, der bereits zwischen 2002 und 2009 bei den Hanseaten arbeitete, beim Telekom Cup.

Und Bernhard Peters soll, zusammen mit Beiersdorfer, das Baby groß ziehen und bestenfalls endlich das Laufen beibringen. Dafür ist Peters bestens geeignet. Der ehemalige Hockey-Bundestrainer gilt als Experte in Sachen Struktur-, und Konzeptarbeit, legt zudem viel Wert auf Nachwuchsentwicklung und ist immer für technisch-taktische Innovationen gut.

An der Seitenlinie: Slomka bleibt

Im Tagesgeschäft sind die Reformen schon schwerer zu identifizieren. Mirko Slomka wurde nach dem Klassenerhalt das Vertrauen geschenkt, den HSV auch in der kommenden Saison zu trainieren. Nachdem der Trainerstuhl im Vorjahr einem Schleudersitz glich, macht es Sinn, für mehr Konstanz sorgen zu wollen. Und da Slomka traditionell auf einem hohen Berg Vorschusslorbeeren sitzt, sollte er auch in Krisenzeiten nicht direkt um seinen Job fürchten müssen.

Slomka hat schwere Aufgaben, wie er selbst gegenüber „bild.de“ erklärt: „Momentan sind wir nicht so stark besetzt wie vergangene Saison.“ Er fordert medienwirksam, dass das Management dem Kader eine andere Struktur verpasst, dass es eine neue Achse im Zentrum geben soll. Slomka wünscht sich einen gestandenen Innenverteidiger und einen Sechser. Passiert ist nichts. Was wiederum, so Slomka, an den Problemen beim Übergang in die AG liegt.

Auf dem Platz: Mannschaft mit Potential

Geldsorgen sind beim HSV nichts Neues. Beim Blick auf den Kader wundert das nicht. Der ist gespickt mit teuren Spielern, mit hochdotierten Verträgen und wenig Gegenleistung. Gojko Kacar ist so ein Fall: er kam für viel Geld, verdient ebenso viel, wird aber kaum eingesetzt. Vergleichbares passiert es bei den Hamburgern oft. Auch eine Folge der instabilen sportlichen Führung: im Hamburger Kader stecken die Ideen von vielen Trainern, Sportdirektoren, Aufsichtsräten. Klar, dass so nur eine heterogene Mannschaft entsteht.

Und offensichtlich bleiben die kosmetischen Maßnahmen in diesem Sommer auf ein Minimum beschränkt. Zwar verlässt Hakan Calhanoglu für 14 Millionen Euro die Hanseaten, doch reinvestiert wird nur in einen alten Bekannten: die Berliner Leihgabe Lasogga wechselt nun fest zum HSV. Von Greuther Fürth kommt der Ungar Zoltan Stieber an die Elbe. Sie sollen gemeinsam mit Spielern wie Beister, van der Vaart und Rudnevs die neue HSV-Offensive bilden.

In der Mannschaft steckt genug Potential. Raphael van der Vaart kann eine Mannschaft im Alleingang in obere Tabellenregionen schießen. Ilicevic, Zoua und Arslan besitzen allesamt genug Talent und stellten ihre Bundesligatauglichkeit schon unter Beweis. Sollte Nicolai Müller vom FSV Mainz 05 noch kommen, hat die Offensive genug Durchschlagskraft, während die Hintermannschaft von Westermann und Jansen endlich auf Linie gebracht werden muss.

Fazit

Slomka weiß, dass dem Verein eine schwere Saison bevor steht. Er muss aus dem breiten Kader eine funktionierende Mannschaft formen, sie zudem endlich mit einer stabilen Führungsachse ausstatten. So etwas braucht Zeit. Und die ist in Hamburg traditionell knapp. Daran wird auch die Auslagerung der Profiabteilung, Beiersdorfer oder Peters nichts ändern. Und die Nervenkostüme der Fans sind nach der Horrorsaison angekratzt. Sobald die Ergebnisse nicht stimmen, wird es wieder krachen.