Bereits 1986 und 1990 standen sich Deutschland und Argentinien, damals noch angeführt von Diego Maradona, in einem WM-Finale gegenüber. 1986 in Mexiko gewann Argentinien, vier Jahre später in Italien rächte sich die Nationalmannschaft. Es waren jeweils die letzten Titelgewinne beim großen Turnier des geschätzten Weltverbandes. Deutschland war 2002 nochmal kurz davor, wurde aber im Finale von Brasilien und Kahns Patzern besiegt. Am Sonntag in Rio sind also auch die Fußstapfen von Andreas Brehme auszufüllen, der 1990 das Spiel mit diesem Elfer entschied:

Der Weg ins Finale

Deutschland Argentinien
Deutschland startet zügig ins Turnier und in seine Gruppe. Den schwersten Gruppengegner Portugal besiegt Deutschland sicher mit 4:0. Gegen Ghana (2:2) und die USA (1:0) erledigt die Mannschaft dann allerdings nicht mehr als seine Pflicht und zieht geräuschlos ins Achtelfinale ein.Größere Kritik an der Leistung der Mannschaft hagelt es nach dem ersten Ausscheidungsspiel. Algerien zwingt die Nationalmannschaft in die Verlängerung muss sich aber schließlich doch mit 2:1 geschlagen geben. Die wichtigsten taktischen und personellen Fragen haben sich zu dieser Zeit noch nicht geklärt. Vor dem Frankreich-Spiel stehen vor allem die Personalien Klose und Lahm zur Diskussion. Mit leicht veränderter Formation gehen die Deutschen früh mit 1:0 gegen den Nachbarn in Führung und spielen diesen Vorsprung souverän und sicher über die Zeit. Im Halbfinale wartet dann der Gastgeber, seinerseits geschwächt durch die Ausfälle zweier Führungsspieler. Deutschland nutzt das brutal aus und besiegt Brasilien mit 7:1. Eine Vernichtung, die in dieser Form bei einer WM wohl einmalig bleiben wird. Im Auftaktspiel gegen den WM-Debütanten Bosnien-Herzegowina setzt Argentiniens Coach Sabella zunächst auf defensive Grundordnung. Schon in der Halbzeit erklärt er sein Experiment mit der Fünfer-Abwehrkette für gescheitert und holt schließlich einen 2:1-Sieg. Messi trifft. Wenig spielerischer Glanz im zweiten Gruppenspiel gegen den Iran, wo Argentinien erst in der Nachspielzeit das Siegtor markiert. Messi trifft. Gegen Nigeria kassiert die argentinische Hintermannschaft zwei Gegentore. Das Team gewinnt aber trotzdem mit 3:2. Messi trifft. Doppelt. Es sollen die letzten Gegentore für die Südamerikaner gewesen sein. In der K.O.-Runde können weder die Schweiz, noch Belgien oder die Niederlande aus dem Spiel heraus einen Treffer erzielen. Offensiv tut Argentinien selbst nur das Nötigste. Gegen die Schweiz erzielt di Maria kurz vorm Ende der Nachspielzeit den Führungstreffer. Messi bereitet vor. Gegen Belgien markiert Gonzalo Higuain schon in der achten Minute das spielentscheidende Führungtor. Seitdem warten die Argentinier auf einen Treffer im laufenden Spiel. Das Halbfinale gegen die Niederlande muss beim Stande von 0:0 im Elfmeterschießen entschieden werden. Romero hält. Messi trifft. Natürlich.
Unser Gegner im Finale: Argentiniens Fußball-Nationalmannschft (Bild: Мысякин Александр / Wiki unter )

Deutschlands Gegner im Finale: Argentiniens Fußball-Nationalmannschft (Bild: Мысякин Александр/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Messi gegen Deutschland

Nachdem Cristiano Ronaldo und seine Portugiesen schon in der Gruppenphase ausschieden und sich Brasiliens Neymar verletzte, blieb den Fans nur noch ein Megastar: Lionel Messi. Nur ihm traut man es zu, Spiele im Alleingang zu entscheiden, selbst wenn er auf der allergrößten Bühne diesen Beweis bisher noch schuldig blieb. Bisher. Denn in Brasilien hat er zumindest einen guten Eindruck gemacht, dabei vier Treffer erzielt.

In den wichtigsten Spielen, hat Messi nicht immer überzeugt“, sagte Bondscoach van Gaal vor dem Halbfinal-Spiel. „Auf internationalem Level hat er noch nie dominiert und das will er bei diesem Turnier ändern.“ Dafür hat Messi offensichtlich seine Spielweise etwas optimiert. Inzwischen hat er große Freude daran, seine Mitspieler in Szene zu setzen, anstatt immer zum eigenen Vorteil zu agieren. Seine Rolle im zentralen Mittelfeld scheint ihm zu Gute kommen. Es wird auch für die deutsche Mannschaft eine wichtige Aufgabe sein, Messis Einflussgebiet möglichst klein zu halten.

Einzelkönner gegen Mannschaft

Natürlich aber ist eine Mannschaft mehr als ihr bester Spieler. Das weiß natürlich auch Joachim Löw, der individuelle Ansprüche stets dem Teamgedanken unterordnet und das Wir-Gefühl betont. Im Interview mit faz.net fasst der Bundestrainer nochmal das Halbfinal-Spiel zusammen: „Wir sind den tiefen Emotionen und der Leidenschaft der Brasilianer mit Ausdauer, mit Ruhe, mit Klarheit und mit Beharrlichkeit begegnet.

Die Partie gegen Argentinien wird aber weniger von Emotionen, sondern wieder mehr von Taktik und Fußballarbeit geprägt sein. Hier die Argentinier, die sensationell verteidigen und Messi in ihren Reihen wissen, da die Deutschen, die scheinbar alles können, wenn sie es denn müssen. Die wichtigste Aufgabe im Finale lautet wohl, im Kollektiv die Kreise des argentinischen Spielmachers einzugrenzen und dabei seine Nebenmänner di Maria oder Higuain nicht aus den Augen zu verlieren.

Und nach vorne muss Löws Team beweisen, dass aus dem Halbfinale etwas Pulver zum verschießen übrig geblieben ist. Und das ausgerechnet gegen die wohl sicherste Hintermannschaft der WM, denn Argentinien ist seit über 350 Minuten ohne Gegentor und kann mit Garay und Mascherano exzellente, erfahrene Verteidiger aufbieten. Aber Deutschland ist bereit. Sowohl Spieler als auch Trainerstab machen nicht den Eindruck, als ob die sich jetzt noch den Titel nehmen lassen wollen.

Drei-Wort-Finale

Interessantes haben Sprachexperten der Universität zu Cambridge herausgefunden. Sie untersuchten Millionen von Wörtern aus verschiedenen Medienquellen und zählten dann, welche Adjektive am häufigsten im Zusammenhang mit den Wörtern „Deutschland“ und „Argentinien“ auftauchten. Hier die Ergebnisse:

Deutschland: kampfstark, fokussiert, engagiert
Argentinien: selbstbewusst, talentiert, nicht überzeugend